Fehde
Das Wort Fehde (mittelhochdeutsch vehede, althochdeutsch fehida = Feindschaft, Streit) erscheint in den Urkunden als faida, inimicitia, guerra, werra. Es wird heute noch mit den biblischen Wendungen wie 'mit jemandem in Fehde liegen', 'jemandem Fehde ansagen' für persönliche Streitigkeiten gebraucht, auch der Fehdehandschuh ist noch im öffentlichen Bewusstsein. Grundsätzlich stand das Recht, Fehde zu führen, allen freien Männern ritterlichen Standes zu. Bauern, Stadtbewohner, Kleriker, Juden und Frauen waren davon ausgeschlossen. Im späten Mittelalter konnten auch Städte dem umwohnenden Adel oder umgekehrt der Landesherr widerspenstigen Städten Fehde ansagen. Die Städte, die im späten Mittelalter häufig in Fehde verwickelt waren, mussten regelrechte Verzeichnisse von Fehdebriefen führen, um nicht die Übersicht über die Identität ihrer Gegner zu verlieren. Das Absageverzeichnis der Stadt Nürnberg enthielt im Jahr 1449 insgesamt 27 Fehdebriefe von Fürsten, 40 von anderen Adligen, 45 von Freien Herren und 8 von anderen Städten. Der Schreiber des Fehdebuches errechnete die Gesamtzahl der Gegner samt ihrer Helfer auf ca. 7.000 Personen. Unter den Fehdeberechtigten waren aber nur solche Adligen, die sich gegen andere zu verteidigen wußten, überhaupt in der Lage, eine Fehde zu führen. Streng genommen konnten nur Burgbesitzer diesen Anforderungen entsprechen. Man muß die ritterliche Fehde von der Blutrache bzw. der Sippenfehde scheiden. Nach germanischem Recht beschreibt die Fehde (faida, seke, inimicitia, guerra, werra) ein Feindschaftsverhältnis zwischen einem "Unrechttäter" und seinem Opfer. Dieses bildete die Grundlage bestimmter erlaubter Rachehandlungen. Die nichtritterlichen Fehde waren im wesentlichen Blutfehden (dotvede, Todfeindschaft, Totschlagsfehde), die jedem frei geborenen Mann zustanden. Grund zur Fehde konnten Ehrkränkungen, Ehebruch, Körperverletzung, Raub oder Tötung von Sklaven oder Vieh sein. Wenn Besitz oder Leben der Familie derart geschädigt waren, stellte die Rachenahme geradezu eine Pflicht dar. Der Kampf der Gegner war erbarmungslos und auf Ausrottung des anderen bedacht. Erlaubte Rachehandlungen waren Tötung, Heimsuchung, Hausfriedensbruch und Brandstiftung. Die Fehde konnte durch Sühne (Totschlagsühne) beendet werden, der in der Regel ein Waffenstillstand oder ein Friede vorausging Ritterfehden waren begrenzte Auseinandersetzungen, die in Form eines Kleinkrieges (Kleine Reiterei) ausgetragen wurden und sich vor allem auf zerstörerische Raubzüge beschränkten. Da man im Mittelalter versuchte, aufwendige offene Feldschlachten (Große Reiterei) zu vermeiden, spielte sich der Kampf zwischen zerstrittenen Parteien meist im Umfeld ihrer Burgen ab. Nur während der großen Fehde zwischen Städten und Ritterbünden kam es zu verheerenden Schlachten, in die ganze Landstriche verwickelt wurden.